Instant Payments sind «das neue Normal»

Seit August 2024 bietet die SIX Interbank Clearing AG die sekundenschnelle Verarbeitung von Bank-an-Bank-Zahlungen an, sogenannte «Instant Payments». Normale Bankzahlungen, wie Sie sie z. B. für die Überweisung Ihrer Miete oder Krankenkassenprämie verwenden, benötigen damit nicht mehr mehrere Tage, bis die Gutschrift auf der Empfängerseite erfolgt, sondern im Schnitt nur noch 1,7 Sekunden. Damit werden Banküberweisungen interessant für Zahlungen an der Ladenkasse, im Restaurant und im Hotel. Wie zahlreiche Beispiele aus dem Ausland zeigen, setzen sich Instant Payments früher oder später auf breiter Front durch. Selbst die SIX Group bestätigt: Instant Payments sind «das neue Normal».

Die eierlegende Wollmilchsau

Was, wenn anstatt x verschiedener Bezahlmethoden nur noch eine einzige, omnipotente Methode alle Bedürfnisse abdeckt – und das auch noch viel günstiger als TWINT oder Kredit- und Debitkarten? Instant Payments sind genau das: Die eierlegende Wollmilchsau im Schweizer Zahlungsverkehr. Die QR-Rechnung mit dem Swiss QR Code ist der Datenträger, der die Zahlungsinformationen enthält, um eine Bank-an-Bank-Zahlung zu erfassen. Da eine solche Zahlung nun nicht mehr Tage braucht, bis die Gutschrift auf dem Empfängerkonto erfolgt, sondern nur noch Sekunden, deckt sie alle Bedürfnisse ab:

  1. Normale Rechnungsstellung (z. B. für Miete oder Krankenasse)
  2. Einkäufe im Laden, Restaurant oder Hotel, wo die Transaktion in Echtzeit stattfinden muss
  3. Onlineshopping
  4. Gebührenzahlungen bei Behörden, am Schalter oder online

Instant Payments sind günstiger und schneller

Die Einfachheit und Effizienz, die diese Zahlungsart bietet, indem sie alle Varianten abdeckt, sowie ihre unschlagbar günstigen Gebühren, haben ihr in zahlreichen Ländern bereits zum Durchbruch verholfen. Auch in der Schweiz wird das früher oder später der Fall sein, auch wenn einige Schweizer Banken derzeit noch ein Rückzugsgefecht führen, indem sie mit hohen Gebühren auf Instant-Überweisungen versuchen, ihre Verbreitung zu verhindern. Stattdessen versuchen sie, ihre Gebühreneinnahmen aus dem Kartengeschäft zu konservieren. Diese Strategie wird krachend scheitern. Denn Instant Payments werden auch in der Schweiz – früher oder später – das neue Normal sein. QR Modul hat einen Blick auf die Angebote im Ausland geworfen und stellt sie Ihnen hier vor.

EU: Wero

Wero, ein Gemeinschaftswerk diverser europäischer Banken, nutzt das System «SEPA Instant Credit Transfer (SCT Inst)» für Bank-an-Bank-Zahlungen in Echtzeit. Die zugehörige App bietet Funktionen, die wir in der Schweiz von TWINT her kennen, insbesondere die Möglichkeit, Geld zwischen Privatpersonen gebührenfrei hin und her zu schicken. Der Unterschied ist aber, dass der Überweisungsbetrag nicht bei TWINT bzw. Wero landet, sondern direkt vom Bankkonto des Absenders auf dasjenige des Empfängers transferiert wird. Wero lässt sich auf zwei Arten nutzen: Es ist einerseits in die normalen Mobile Banking-Apps der Teilnehmerbanken integriert, andererseits kann man die Wero App herunterladen – je nach Bank. Verwendet man die App, kann der Empfänger mittels Handynummer oder E-Mail-Adresse angesteuert werden, womit der Austausch einer IBAN überflüssig wird. Derzeit arbeitet Wero daran, dass man auch im Geschäft bezahlen kann. Wero gibt es derzeit in Deutschland, Frankreich und Belgien. Weitere europäische Länder werden hinzukommen.

Das deutsche Digital Magazin hat Wero unter die Lupe genommen und zeigt sich begeistert

Das deutsche Digital Magazin schreibt über Wero: «46 Millionen Nutzer, über 100 Millionen Transaktionen und ein Volumen von mehr als 5 Milliarden Euro – und das nach gerade mal anderthalb Jahren. Wero, der europäische Bezahldienst, ist nicht länger ein Experiment. Der Dienst wird zur echten Alternative für alle, die ihre Finanzdaten lieber in Europa wissen wollen als in Silicon Valley. Stellen Sie sich vor: Ein Abendessen mit Freunden, die Rechnung wird geteilt. Früher hiess das: IBAN raussuchen, 22 Zeichen eintippen und hoffen, dass kein Zahlendreher dabei ist. Mit Wero? Handynummer oder E-Mail-Adresse eingeben, Betrag bestätigen und fertig. Das Geld ist innerhalb von Sekunden auf dem anderen Konto. Die Authentifizierung läuft über PIN, Fingerabdruck oder Gesichtserkennung – je nachdem, was Ihre Banking-App unterstützt. Bei kleineren Beträgen erlauben einige Banken sogar die Zahlung ohne zusätzliche Bestätigung.

Der Anwendungsbereich von Wero wächst rasant

Seit November 2025 hat sich der Einsatzbereich deutlich erweitert. Wero funktioniert jetzt auch beim Online-Shopping. Der Ticketverkäufer Eventim machte den Anfang, danach folgten Schwergewichte wie Lidl, Rossmann, Decathlon, Hornbach und Zooplus. Laut Angaben der European Payments Initiative (EPI) sollen bis Ende 2025 rund 150 Händler angebunden sein. Ehrlich gesagt: Als ich zum ersten Mal bei Eventim mit Wero bezahlt habe, war ich überrascht. Kein Umweg über externe Seiten, keine Kontoregistrierung bei einem Drittanbieter. Einfach QR-Code scannen, in der Banking-App bestätigen und die Quittung erscheint sofort im Postfach. So sollte digitales Bezahlen immer funktionieren.

Welche Banken Wero unterstützen

Das ist der Knackpunkt bei jedem neuen Zahlungssystem: Ohne breite Bankenbasis bleibt es ein Nischenprodukt. Bei Wero sieht die Lage mittlerweile respektabel aus – zumindest in Deutschland. Sparkassen und Volks- sowie Raiffeisenbanken waren von Anfang an dabei. Das allein deckt bereits einen erheblichen Teil des deutschen Marktes ab. Hinzu kommen Deutsche Bank und Postbank. In den kommenden Monaten folgen ING Deutschland und – das ist interessant – Revolut. Ende 2025 verkündete auch N26 seinen Beitritt. Die Neobank will Wero ab Mitte 2026 in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden anbieten. Damit erreicht der Dienst auch die jüngere, digital-affine Zielgruppe, die traditionelle Bankfilialen eher meidet.

International sieht die Landkarte so aus:

  • Frankreich: BPCE Groupe, Crédit Agricole, La Banque Postale, Société Générale
  • Belgien: Belfius, BNP Paribas Fortis, ING, KBC – plus fünf weitere ab 2026
  • Luxemburg: Banque Internationale à Luxembourg, Banque Raiffeisen, Post Luxembourg, BGL BNP Paribas, Spuerkeess (Start Juni 2026)
  • Niederlande: Integration mit iDEAL-System geplant

Die aktuelle Entwicklung zeigt: Die europäischen Banken haben erkannt, dass sie beim Thema Zahlungsverkehr nicht länger zuschauen dürfen, wie US-Konzerne den Markt dominieren.»

Grossbritannien: Faster Payment

Das Faster Payment-System in Grossbritannien ist rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr verfügbar und erfüllt seit seiner Einführung im Jahr 2008 die Bedürfnisse sowohl von Privat-, als auch von Geschäftskunden. Der Dienst ermöglicht Echtzeit-Zahlungen bis zu einer Obergrenze von einer Million Pfund, die über das Smartphone oder per Onlinebanking erfasst werden. Millionen von Personen, die über ein Konto bei einer britischen Bank besitzen, können teilnehmen. Möglich wird dies durch eine Vielzahl an Gross-, Retail-, Lokal- und Regionalbanken, sowie anderen Fintech-Unternehmen und Zahlungsdienstleistern, die sich entweder direkt oder indirekt an die zentrale Infrastruktur des Faster Payment-Systems angeschlossen haben.

Dank eines 2014 gestarteten neuen Zugangsprogramms hat sich die Zahl der direkten Teilnehmer mehr als verdreifacht. Weitere sind in Vorbereitung. Seit 2018 ermöglicht es die Zentralbank, will heissen die Bank of England, auch Nicht-Banken ein Abrechnungskonto zu eröffnen, was das Ökosystem nochmals stark erweiterte. Im Jahr 2024 wickelte das Faster Payment-System 5,09 Milliarden Transaktionen im Wert von 4,2 Billionen Pfund ab.

Brasilien: Pix

Der Infosperber titelte im letzten Oktober: «Brasilien übertrumpft Visa, Mastercard und andere: Trump droht». Grund dafür ist die Bezahlapp «Pix». Was 2020 als technisches Experiment der brasilianischen Zentralbank begann, hat sich zu einer ausgewachsenen sozialen und wirtschaftlichen Revolution entwickelt. Mittels Pix werden gebührenfreie Zahlungen in Echtzeit beauftragt. Vom Marktstand in São Paulo bis zum Strand von Rio läuft mittlerweile fast jede Transaktion digital über diese App. Die Zahldaten werden in einem QR-Code gespeichert. Auch die Überweisung an eine Telefonnummer ist möglich. Pix hat alles besser und einfacher gemacht», sagte Manuel Souza, ein 63-jähriger Kellner aus Rio gegenüber der New York Times. «Ich zahle meine Miete, meinen Kaffee, alles damit.» Selbst Strassenhändler oder Obdachlose tragen handgeschriebene Pix-Codes bei sich, um Spenden zu empfangen. Doch immer, wenn eine Revolution alte Anbieter vom Parkett fegt und neue Gewinner generiert, ist Widerstand vorprogrammiert. Die Amerikaner, die Verlierer dieser Entwicklung, deren Kreditkartenfirmen bisher unangefochten den Markt dominierten, werden zunehmend nervös und begehren auf.

Die App «PIX» in Brasilien versetzt die US-Bezahlanbieter in Panik

Die brasilianische Bezahlapp «Pix» ist so erfolgreich, dass die Trump-Regierung Brasilien «unlautere Handelspraktiken» und «unfaire Nachteile» für die US-Konzerne vorwirft. Den US-Konzernen und dem US Chamber of Commerce missfällt die Rolle der brasilianischen Zentralbank, weil sie die Zahlungs-App selber kontrolliert, und nicht etwa private Grossbanken. Die Kritik der Trump-Regierung an der Zahlungsmethode hat in Brasilien einen Nerv getroffen und wird als weiteren Angriff auf die Souveränität des Landes angesehen. Pix gehört Brasilien und dem brasilianischen Volk!», erklärte die Regierung in einer Social-Media-Kampagne, die viral ging. Der brasilianische Präsident Lula da Silva widersprach den Behauptungen der USA, dass Pix den Interessen der USA schade oder US-Unternehmen ausschliesse. In einem Gastbeitrag für die «New York Times» reagierte er mit scharfen Worten: «Wir dürfen nicht dafür bestraft werden, dass wir ein schnelles, kostenloses und sicheres System geschaffen haben, das der Wirtschaft nützt.»

Instant Payments breiten sich weltweit aus

Instant Payment-fähige Interbankenzahlungssysteme gibt es inzwischen in zahlreichen Ländern. In vielen davon sind Apps für Zahlungen am Point of Sale (PoS) entwickelt worden oder befinden sich in Entwicklung. Die nachfolgende Tabelle gibt einen kurzen Überblick:

  • Land
    .
    .
  • Schweiz
  • Frankreich
  • Schweden
  • Norwegen
  • Grossbritannien
  • Kanada
  • Mexiko
  • China
    .
  • Malaysia
  • Interbanken-ZV-
    System
    Instant-fähig?
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
    .
  • ja
  • App für
    Zahlungen
    am PoS
  • nein
  • ja (Wero)
  • ja (SWISH)
  • ja (VIPPS)
  • ja (Faster Payment)
  • nein
  • nein
  • ja (WeChat Pay / Alipay)
  • ja (DuitNow)
  • Land
    .
    .
  • Deutschland
  • Belgien
  • Dänemark
  • Niederlande
    .
  • USA
  • Brasilien
  • Singapur
  • Japan
  • Indien
  • Interbanken-
    ZV-System
    Instant-fähig?
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
    .
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
  • ja
  • App für
    Zahlungen
    am PoS
  • ja (Wero)
  • ja (Wero)
  • ja (MobilePay)
  • ja (iDEAL – Testphase)
  • nein
  • ja (PIX)
  • ja (PayNow / SGQR)
  • nein
  • ja (UPI)

In Indien, China und Brasilien hat sich diese Zahlungsart bereits auf breiter Front durchgesetzt. In Europa sind es die skandinavischen Länder, die am weitesten fortgeschritten sind. In der Schweiz gibt es noch kein Angebot, nicht zuletzt aufgrund des Widerstandes der Banken, wie oben erwähnt. QR Modul gibt Gegensteuer und hat zusammen mit dem Schweizerischen Gewerbeverband eine Arbeitsgruppe gegründet, an der die meisten grossen Branchenverbände aus dem Detailhandel, der Gastronomie und Hotellerie teilnehmen. Ziel ist die gemeinsame Entwicklung einer Instant Payment-App, die den Händlern, Gastronomen und Hoteliers grosse Gebühreneinsparungen bringen sollen. Ausserdem bietet sich ihnen jetzt die historisch einmalige Chance, die Autorenschaft über die Preisgestaltung für Zahlungen am PoS zu übernehmen und damit die Abhängigkeit von den Kreditkartenfirmen, TWINT und den Banken zu reduzieren. Das Unterfangen wird aber sicher nicht einfach. Immerhin beträgt das Volumen an jährlichen Gebühreneinnahmen allein im Schweizer Markt über CHF 1,5 Mrd. Ca. CHF 800 Mio. davon fliessen an MasterCard und VISA, die sich die Butter sicher nicht einfach vom Brot nehmen lassen wollen.

Weitere Informationen zur QR-Rechnung

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